Zuständigkeiten an Gewässern
Wer ist eigentlich zuständig am Bach?
Vielleicht haben Sie sich auch schon mal gefragt, wer sich eigentlich um die Gewässer im Ort kümmert bzw. wer wofür zuständig ist.
Geregelt wird das in den Wassergesetzen. Es gibt das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) des Bundes und das Sächsische Wassergesetz (SächsWG). Und wer ist laut diesen Gesetzen jetzt zuständig für Gewässer? Das ist entweder die Gemeinde, oder die Landestalsperrenverwaltung (LTV). Die Gemeinde betreut Gewässer 2. Ordnung (kleinere Gewässer), während die LTV für Gewässer 1. Ordnung (größere Gewässer) verantwortlich ist. Welche genau das sind, steht im „Verzeichnis der Gewässer erster Ordnung“ in Anlage 1 des Sächsischen Wassergesetzes.
Doch was bedeutet Zuständigkeit? Welche Aufgaben sind damit gemeint? Der Zuständige ist Träger der Unterhaltungslast und damit unter anderem verpflichtet
das Gewässerbett und die Ufer zu erhalten
den gewässerbegleitenden Gehölzbestand in der Böschung zu pflegen und durch standortgerechte Pflanzungen zu entwickeln
den ordnungsgemäßen Wasserabfluss zu sichern
und die ökologische Funktionsfähigkeit zu erhalten und zu verbessern
Die Zuständigkeit der Gemeinde oder der LTV beschränkt sich auf das Gewässerbett und die Ufer. Das wirft natürlich die Frage auf, wo das Ufer beginnt und endet. Auch das verrät uns das Sächsische Wassergesetz. Das Ufer ist der Bereich zwischen dem mit Wasser durchflossenen Bach oder Fluss und der Böschungsoberkante. Wenn die Böschungsoberkante nicht klar erkennbar ist, wird der mittlere Hochwasserstand als Grenze genutzt.
An das Ufer grenzt der Gewässerrandstreifen an. Da sich diese Flächen außerhalb des Ufers befinden, sind Gemeinde oder LTV auch nicht mehr zuständig. Hier liegt die Zuständigkeit zur Pflege und Entwicklung beim Flächeneigentümer. Ausnahmen sind Ufermauern, für die unterschiedliche Zuständigkeiten gelten können.
Weitere Informationen finden Sie unter: https://www.wasser.sachsen.de/gewaesserrandstreifen-21116.html
Was bedeutet das nun also für Anlieger? Sie können von Maßnahmen betroffen sein. So kann es etwa nötig sein, ein Grundstück zu betreten oder zu befahren, um das Gewässer zu erreichen. Anlieger müssen dies dulden. Jedoch muss der Unterhaltungspflichtige dies rechtzeitig vorher ankündigen. Maßnahmen, die einen wesentlichen Einfluss auf das Gewässer haben, brauchen vorher außerdem eine Genehmigung der unteren Wasserbehörde (uWB).
(Dieser Text entstand in Zusammenarbeit den Fachberatern und Fachberaterinnen Gewässer des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie und der unteren Wasserbehörde des Landkreises.)
weitere Informationen:
Was gibt es zu beachten, wenn ein Bach durch mein Grundstück fließt?
Stellen Sie sich einmal einen naturnahen Bach vor, der sich durch die Landschaft schlängelt. Die Flächen direkt am Bach spielen dabei eine ganz wichtige Rolle, da dort der Übergangsbereich vom Wasser zum Land ist, der sich ständig verändert und dadurch ökologisch unheimlich wertvoll ist.
Und nun fließt ein Bach bei Ihnen durchs Grundstück und Ihnen wurde von der unteren Wasserbehörde gesagt Sie sollen Ihren Komposthaufen nicht direkt am Ufer platzieren. Oder wurde Ihnen die Baugenehmigung für eine Garage direkt am Gewässer versagt?
Grund dafür ist der Schutz dieser wichtigen Flächen durch die gesetzlichen Regelungen zum Gewässerrandstreifen. Das Sächsische Wassergesetz regelt im § 24 die Breite des Gewässerrandstreifens mit 10 m und innerhalb von im Zusammenhang bebauten Ortsteilen mit 5 m landseits ab der Böschungsoberkante. Die Errichtung von baulichen und sonstigen Anlagen sowie die auch nur zeitweise Ablagerung von Gegenständen, die den Wasserabfluss behindern oder die fortgeschwemmt werden können, ist im Gewässerrandstreifen verboten. Zudem dürfen in einer Breite von 5 Metern ab dem Ufer keine Dünge- und Pflanzenschutzmittel verwendet werden – auch nicht in Gärten.
Diese gesetzliche Regelung dient zum einen dazu unsere Gewässer vor schädlichen Stoffeinträgen zu schützen und deren ökologische Funktion aufrecht zu erhalten. Zum anderen aber auch der Sicherung des ordnungsgemäßen Abflusses auch im Hochwasserfall und zur Vermeidung, dass Materialien wie beispielsweise Gartenmöbel, Komposthaufen oder Holzstapel fortgeschwemmt werden. Diese können zum Teil erhebliche Schäden an Bauwerken wie zum Beispiel Durchlässen und Brücken anrichten, aber auch das menschliche Wohl gefährden. An unrechtmäßig im Gewässerrandstreifen errichteten Zäunen können sich dann fortgeschwemmte Materialien verhängen, zu Verklausungen anhäufen und damit das Überschwemmungsrisiko deutlich erhöhen. Übrigens haben auch nicht standortgerechte Gehölze (zum Beispiel Nadelgehölze, Kirschlorbeer und Lebensbäume) im Gewässerrandstreifen nichts zu suchen. Hintergründe zu diesem Thema gibt es in einer der nächsten Ausgaben.
Wie können Sie den Gewässerrandstreifen denn nun sonst nutzen? Sie könnten sich zum Beispiel eine kleine Naturoase schaffen. Pflanzen Sie dazu standortgerechte Gehölze wie Schwarzerle oder Weidenarten und kreieren Sie sich so ein schattiges Plätzchen am kühlen Bach für heiße Sommertage. Das reduziert auch gleich noch die Wassertemperatur. Wenn Sie Gräser und Stauden nur zweimal im Jahr mähen, schaffen Sie mit Blühstreifen wertvolle Lebensräume u. a. für unsere Bienen und Schmetterlinge. Probieren Sie es aus und schauen Sie welche Tiere und Pflanzen sich in diesen Bereichen ansiedeln.
Dieser Text entstand in Zusammenarbeit der Fachberater und Fachberaterinnen Gewässer des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie und der unteren Wasserbehörde des Landkreises.
(Dieser Text entstand in Zusammenarbeit der Fachberater und Fachberaterinnen Gewässer des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie und der unteren Wasserbehörde des Landkreises.)
Holz im Bach - kann das bleiben oder muss das weg?
Bei einem Spaziergang am Bach sieht man manchmal abgebrochene Äste, freigespülte Wurzelballen oder sogar einen vom letzten Sturm umgewehten Baum, der jetzt im Wasser liegt. Was hat es damit auf sich - mit diesem Holz im Bach? Kann das bleiben oder muss das weg?
Flussholz oder Totholz nennt man das Holz, das auf natürliche Art und Weise ins Gewässer gelangt ist. Doch tot ist es eigentlich nicht. Im Gegenteil: Holz ist ein beliebter Lebensraum im Bach. Es dient als Nahrung für zahlreiche Insektenlarven und andere Kleintiere. Diese wiederum sind die Beute von Fischen, die sich auch gern unter dem Holz verstecken. Das Wasser muss sich seinen Weg um das Holz herum suchen. Dadurch entstehen Stellen mit langsamer und schneller Strömung. Diese Vielfalt ist wichtig, um möglichst vielen Arten einen geeigneten Lebensraum bieten zu können.
Aber was ist bei einem Hochwasser? In der freien Landschaft ist das kein Problem. Innerorts sind bestimmte Bereiche nicht geeignet für Flussholz, da es weggespült werden kann. Deshalb wird das Flussholz bei Renaturierungen am Gewässer fest verankert, bevor es zur Gefahr werden kann. So ist alles sicher.
Übrigens ist Flussholz immer nur natürliches Material. Von Menschen eingebrachte Bretter oder andere Holzartikel sind – auch wenn sie im Fluss landen sollten – kein Flussholz, sondern Müll. Und Müll hat im Gewässer nun wirklich überhaupt nichts verloren.
(Dieser Text entstand in Zusammenarbeit der Fachberater und Fachberaterinnen Gewässer des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie und der unteren Wasserbehörde des Landkreises.; Bildquelle: Göhler)
Der Bach aus der Perspektive eines Fisches
Wie wird ein Bach zur Wohlfühloase für Lebewesen? Stellen wir uns einen Fisch vor. Wo wird es dem wohl besonders gut gefallen? In einem schnurgeraden Bach mit einer Sohle aus Beton oder Rasengittersteinen und einer kurz gemähten Uferböschung? Oder doch eher in einem vielfältigen Bach mit Sand, Kies und Steinen unter den Flossen, schattenspendenden Bäumen und überhängenden Ästen, mit Totholz, Wasserpflanzen und Unterständen im Wurzelwerk eines Baumes am Ufer, die als Verstecke vor Fressfeinden dienen und wo sich reichlich Nahrung findet? Wenn man sich das mal vorstellt, dürfte die Antwort schnell klar sein.
Und genau deshalb sollten Gewässer wieder in einen naturnahen Zustand gebracht werden. Damit es wieder mehr Vielfalt an Lebewesen am und im Gewässer gibt. So können sich wieder Bachforellen, Äschen und andere Fische ansiedeln. Auch Insekten, Vögel und weitere Tiere fühlen sich dann wohl. Schließlich profitieren auch wir davon – beispielsweise, wenn wir wieder mehr Fisch aus unseren heimischen Fließgewässern essen können. Und im Sommer sitzen wir auch lieber an einem beschatteten Bach als an einer Betonrinne in der prallen Sonne.
(Dieser Text entstand in Zusammenarbeit der Fachberater und Fachberaterinnen Gewässer des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie und der unteren Wasserbehörde des Landkreises.; Bildquelle: Richter)
Warum sieht das Gewässer manchmal so unordentlich aus?
Ein dichtes Gestrüpp wächst am Gewässer, dazwischen hängt noch ein abgebrochener Ast von den vielen Weiden. Manchmal sieht ein Gewässer einfach nur unordentlich aus. Doch sollte man wirklich „Ordnung“ am Gewässer schaffen?
Wie sollte der Bach in meiner Heimat überhaupt aussehen? Manche denken jetzt vielleicht an ein gerades Gewässer, der Böschungsrasen kurz gemäht. Doch so einem Gewässer geht es nicht gut. Naturnahe Gewässer dagegen erfüllen viele Funktionen. Sie sind Lebensraum, sorgen innerorts für Abkühlung an heißen Tagen und sind für Hochwasser gut gewappnet. Denn mit ihren kräftigen Wurzeln halten standortgerechte Gehölze am Gewässer das Ufer fest und verhindern, dass es ausgespült wird. In den Baumkronen sorgt das Laub für frische Luft und auch Fischen und Kleinlebewesen gefällt es in einem schattigen Bach viel besser. Zwischen Uferpflanzen fühlen sich Amphibien wohl und Vögel finden im Gehölz einen Nistplatz.
Ein naturnahes Gewässer besteht also nicht aus einem kurz gemähten Böschungsrasen und ist auch nicht begradigt. Doch innerorts gibt es dafür nicht immer genug Platz. Deshalb muss gelegentlich gemäht werden und an bestimmten Stellen ist eine Gehölzpflege erforderlich. Insbesondere, wenn das Hochwasser sonst keinen Platz mehr hat und zur Gefahr werden kann. Wichtig ist dann aber, dass die Pflege schonend erfolgt, beispielsweise durch ein abschnittweises vorgehen. Schließlich sollen durch Mahd und Gehölzschnitt die vielen Tiere, die dort ihren Lebensraum haben, nicht zu Schaden kommen. Nach der Pflegemaßnahme können sie sich wieder ansiedeln – für ein Stück wertvolle Natur mitten im Ort.
(Dieser Text entstand in Zusammenarbeit der Fachberater und Fachberaterinnen Gewässer des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie und der unteren Wasserbehörde des Landkreises.; Bildquelle: Wetzelt)
Welche Tiere leben in und an unseren Bächen und Flüssen?
Diese Frage kann natürlich jeder beantworten: Fische! Sie fallen einem wohl als erstes ein. Aber was lebt dort eigentlich noch?
Der Biber ist inzwischen wohl vielen bekannt, aber auch Fischotter, Graureiher, Eisvogel, Bachstelze und Wasseramsel gehören zu den größeren Lebewesen am und im Wasser. Doch es gibt auch viele kleinere Tiere, die nicht sofort ins Auge fallen. Libellen legen ihre Eier an Wasserpflanzen, Totholz oder direkt im Wasser ab. Die Larven, die sich daraus entwickeln, leben bis zu ihrer Verwandlung in eine erwachsene Libelle im Wasser. Ebenso verbringen Köcherfliegen, Steinfliegen oder Eintagsfliegen einen großen Teil ihres Lebens als Larven im Wasser. Weitere wirbellose Tiere sind Wasserwanzen, Strudelwürmer, Käfer, Schnecken, Muscheln und Bachflohkrebse.
Wie kann man diese Tiere nun beobachten? Bei den größeren Tieren ist es, mit etwas Geduld und Glück, vor allem an naturnahen Gewässern gar nicht so schwer. Vögel, Libellen oder Fische lassen sich dort oft leicht entdecken. Von manchen Tieren, wie zum Beispiel dem Biber, sieht man allerdings häufig nur die Spuren – wie Biberdämme oder die unverkennbar angenagten Bäume. Bei den kleineren Tieren im Wasser muss man dagegen wissen, wo man suchen sollte. Viele von ihnen verstecken sich unter Steinen am Gewässergrund, um vor Fressfeinden oder starker Strömung geschützt zu sein. Ein einfaches Mittel, um sie zu entdecken, ist, einen Stein aus dem Wasser zu heben und die Unterseite zu betrachten. Dort ist oft erstaunlich viel Leben zu finden. Entdeckt man kleine, zusammengeklebte Steinchen, dann hat man sogar das mobile Zuhause einer Köcherfliegenlarve gefunden. Übrigens können anhand der Lebewesen im Wasser auch Rückschlüsse darauf gezogen werden, wie gesund der Bach oder Fluss ist. Wie wäre es also, beim nächsten Spaziergang mal genauer hinzuschauen? Denkt nur daran, die Steine wieder in den Bach zurückzulegen, denn ohne Wasser können diese Tiere nicht überleben.
(Dieser Text entstand in Zusammenarbeit der Fachberater und Fachberaterinnen Gewässer des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie und der unteren Wasserbehörde des Landkreises.; Bildquelle: Richter)
Naturnahe Bachgestaltung – gar nicht so schwer
Ein naturnaher Gewässerabschnitt ist nicht nur eine Augenweide, er bringt auch viele Vorteile für Mensch und Tier. Der bachbegleitende Gehölzsaum spendet beispielsweise Schatten und ist ein Lebensraum für viele Arten. Außerdem können Gehölze das Ufer langfristig sichern und regenerieren sich dabei selbstständig. In vielen Kommunen gibt es geeignete Abschnitte, an denen eine naturnahe Bachgestaltung möglich ist.
An einem Gewässer im Landkreis Bautzen wurde so eine naturnahe Umgestaltung nun vorgenommen. Genauer gesagt, am Haselbach in der Gemeinde Haselbachtal. Die Maßnahme wurde im Rahmen einer Fortbildung als Bauseminar umgesetzt, bei dem freiwillige Helfer tatkräftig mitgewirkt haben. Und was braucht man, um einen Gewässerabschnitt umzugestalten? Man braucht dazu unter anderem eine engagierte Gemeinde, kooperative Flächeneigentümer, einen Bagger, 80 Gehölze, 23 Reisigbündel (Faschinen genannt), 200 Weidensteckhölzer und 25 fleißige Helfer. Dazu noch ausreichend Spaten, Astscheren, Sägen und jede Menge Motivation, dann kann es losgehen. Auf einer Länge von über 100 Metern wurde der begradigte und verbaute Haselbach mit einem Bagger vom Granitsteinverbau befreit und geschwungener gestaltet. Die neu geschaffenen Ufer wurden anschließend von den Helfern bepflanzt. Weiden, Erlen und Traubenkirsche bilden hier bald einen naturraumtypischen Gehölzbestand, der das Ufer sichert und zugleich den Fischen und anderen Tieren einen Lebensraum bietet.
Durch die Eigeninitiative konnten die Kosten für das Projekt gesenkt werden. Ein Großteil der verbleibenden Kosten wurde von einer Förderung gedeckt. Deshalb ist dieses Format für Gemeinden vorteilhaft. Die freiwilligen Helfer lernen derweil das Gewässer kennen und wie man mit Pflanzen bauen kann. Das Beispiel zeigt: Wenn alle Beteiligten motiviert sind, dann finden sich kreative Lösungen, von denen alle profitieren!
(Dieser Text entstand in Zusammenarbeit der Fachberater und Fachberaterinnen Gewässer des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie und der unteren Wasserbehörde des Landkreises.; Wetzelt, LfULG)
Schaum im Gewässer – was ist da los?
Bei einem Spaziergang in der Natur - der Weg führt am Bach entlang - kann man manchmal eine Schaumbildung auf dem Gewässer entdecken. Nach einem kleinen Absturz oder zwischen den Pflanzen am Ufer schwimmt der Schaum auf dem Wasser. Ist das nun eine Verschmutzung oder doch natürlich und damit völlig harmlos?
Tatsächlich können die Ursachen für Schaumbildungen sowohl natürlich, als auch anthropogen vom Menschen hervorgerufen sein. Natürlicher Schaum kann beispielsweise beim Abbau von Algen, Wasserpflanzen, Falllaub oder Fischlaich entstehen. Dieser ist weiß bis gelblich-bräunlich. Man erkennt ihn vor allem an seinem erdigen oder fischigen Geruch. Er ist sehr stabil und kann sich kilometerlang halten. Deshalb findet man hier auch oft keinen klaren Ursprung. Bei Turbulenzen, etwa nach Abstürzen, oder nach starken Regenfällen kann jedoch eine Häufung auftreten.
Künstlicher Schaum stammt dagegen meist aus geklärtem Abwasser, in welchem noch Tenside aus Waschmitteln enthalten sein können. Er ist in der Regel glänzend weiß, schimmert regenbogenfarbig und riecht chemisch. Oft gibt es einen klaren Anfang an einer Einleitstelle. Dieser Schaum ist eher kurzlebig, zerfällt schnell und nimmt daher flussabwärts meist rasch ab. Ebenfalls anthropogen verursacht kann auch Schaum durch den Eintrag von Gülle oder Jauche aus Abschwemmungen oder Drainagen entstehen. Diesen kann man am entsprechenden Geruch erkennen.
Wenn Sie beim nächsten Spaziergang also Schaum auf einem Gewässer entdecken, können Sie nun etwas besser abschätzen, ob dieser natürlichen oder anthropogenen Ursprungs ist. Allerdings liegen oft auch Mischungen vor, die dies erschweren.
Bei dringendem Verdacht auf eine Verunreinigung, können Sie diese gern an ihre zuständige untere Wasserbehörde melden.
(Dieser Text entstand in Zusammenarbeit der Fachberater und Fachberaterinnen Gewässer des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie und der unteren Wasserbehörde des Landkreises.; Foto: Zinke, LfULG)
Gehören Rasengittersteine in ein Gewässer?
Rasengittersteine - auch Wabengitterplatten genannt – gibt es seit 1969. Aufgrund ihrer Durchlässigkeit für Regenwasser und der einfachen Verlegbarkeit galten sie lange als Vorzugslösung beim Bau von Wegen und Einfahrten. Jedoch wurden sie auch zunehmend im Wasserbau eingesetzt, um Sohle und Ufer technisch zu sichern, so dass heute vielerorts verbaute Fließgewässer das Ortsbild prägen. Der Gedanke zum Einsatz der Rasengittersteine war unter damaligen Gesichtspunkten nachvollziehbar: Der Bach ist bei starken Niederschlägen gesichert, das Wasser fließt schnell aus der Landschaft ab und die maschinelle Unterhaltung und Landnutzung wird erleichtert.
Aber gehören Rasengittersteine wirklich in ein Gewässer? Wie der Name schon sagt, haben Rasengittersteine in einem naturnahen Gewässer nichts zu suchen. Sie sind für die dauerhafte Böschungssicherung nicht geeignet, da die flachen Platten bei Hochwasserereignissen freigespült werden und ins Gewässer fallen können. Zurück bleibt die ungeschützte Böschung, die von Erosion angegriffen wird. Für einen dauerhafteren Schutz der Ufer empfehlen sich standortgerechte Gehölze wie Erle oder Weide, deren Wurzeln die Ufer auf natürliche und verlässliche Weise befestigen. Sie wachsen dabei auch in tiefere Schichten, die mit Rasengittersteinen nicht erreicht werden können. Bei Bächen mit stärkerer Strömung kann auch ein begrünter Steinsatz eingebaut werden. Bei dieser Bauweise werden Steine und Gehölze kombiniert, die Wurzeln halten die Steine fest und stabilisieren die Uferbereiche dadurch in doppelter Hinsicht.
Rasengittersteine mit ihren monotonen Oberflächen bieten zudem nahezu überhaupt keine geeigneten Lebensräume für gewässertypische Pflanzen und Tiere. Denn Lebewesen benötigen vielfältige Lebensräume mit Wurzeln, flach überströmten Kiesbänken und tiefen Kolken, in denen es ausreichend Rückzugsräume und Laichhabitate gibt. Bei starren Oberflächen aus Beton können sich Tiere in der Strömung kaum halten und Fischlaich wird einfach weggespült. Bäche mit vielfältigeren Strömungsverhältnissen bieten Lebewesen daher viel bessere Lebensbedingungen.
Wenn Rasengittersteine also aus dem Bach vor der Haustür oder in freier Landschaft entfernt werden, dann aus Gründen des Hochwasserschutzes, der Ökologie und als Betrag zur Stabilisierung des Wasserhaushalts in Trockenphasen. Die Platten können nach dem Entfernen oft sogar noch wiederverwendet werden – etwa als Fundament für einen Komposthaufen, wo sie wieder ihrem ursprünglichen Zweck dienen können.
(Dieser Text entstand in Zusammenarbeit der Fachberater und Fachberaterinnen Gewässer des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie und der unteren Wasserbehörde des Landkreises.; Foto: Wetzelt, LfULG)
Niedrigwasser – Auf einmal ist der Bach trocken
Immer häufiger kann in trockenen Sommern beobachtet werden, wie Bäche nach und nach austrocknen und schließlich trockenfallen. Besonders kleine Bäche, die sowieso schon wenig Wasser führen, sind schnell betroffen. Aber was bedeutet das genau?
Gewässer sind besonders in heißeren Regionen auch natürlicherweise nicht immer durchgehend wasserführend. Sind bestimmte Bedingungen gegeben, trocknen sie zeitweise aus. Mit dem Klimawandel tritt dieses Phänomen auch öfter hier bei uns auf. Doch solange die Bäche zu einem Teil des Jahres Wasser führen, bleiben sie als Gewässer definiert. Denn das Ökosystem ist nach wie vor da und beim nächsten Regen braucht das Wasser auch wieder einen Weg.
Dennoch ist Niedrigwasser für die Lebewesen im Gewässer immer eine Stresssituation. Mit weniger Wasser im Bach steigt die Wassertemperatur und auch die chemische Belastung, denn eingetragene Stoffe werden viel weniger verdünnt. Der Sauerstoffgehalt im Wasser sinkt, sodass die Tiere entweder abwandern oder in natürlichen Strukturen wie einem Kolk (tiefere Stellen im Gewässer), unter Wurzeln, oder in den Lücken des Sohlsubstrats die Trockenphase überdauern müssen.
Genau solche Strukturen zu schaffen ist ein wichtiges Mittel, um Gewässer in Niedrigwasser-Phasen zu unterstützen. Gehölze, die das Gewässer beschatten, sind dabei essentiell. Das Wasser im beschatteten Bereich ist deutlich kühler, eine große Strukturvielfalt im Ufer- und Sohlbereich bietet Unterschlüpfe und Rückzugsräume. Zudem werden im Sommer von den zuständigen Wasserbehörden oft Wasserentnahmeverbote verhängt, die den Gewässerbewohnern zuliebe auch unbedingt eingehalten werden sollten, damit ein Bach nicht noch schneller austrocknet.
(Dieser Text entstand in Zusammenarbeit den Fachberaterinnen und Fachberatern Gewässer des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie und der unteren Wasserbehörde des Landkreises.; Foto: Spänhoff, LfULG)
Standortgerechte Gehölze und warum sie fürs Gewässer gut sind
Gehölze am Gewässer haben viele wichtige Funktionen, nicht nur für den Bach und seine Bewohner, sondern auch für den Menschen.
Als Schattenspender erfüllen die Gehölze gleich mehrere Funktionen. Im Sommer profitieren Tiere im Gewässer davon, dass sich das Wasser weniger stark erwärmt als in unbeschatteten Bereichen. Gleichzeitig reduziert sich der Bewuchs durch Wasserpflanzen ganz natürlich. Dadurch verkrautet und verschlammt der Bach nicht und der Hochwasserabfluss wird nicht behindert. Die Kommune spart dabei die Kosten für die Beräumung der Sohle, Krautung und Mahd, welche in unbeschatteten Bachabschnitten sonst oft notwendig sind.
Ideal ist es deshalb, wenn der Gehölzrückschnitt auf ein notwendiges Minimum reduziert wird und einzelne Bäume groß wachsen dürfen. So wird die Beschattung optimiert und gleichzeitig eine Verbuschung vermieden. Im dichten Buschwerk kann sich anders als bei einem glatten Stamm im Hochwasserfall eher Treibgut verheddern und Wasser anstauen.
Neben diesen Aspekten stellt ein Gehölzsaum auch einen wertvollen Lebensraum dar - für Tiere im Wasser, an Land und in der Luft. Tiere bewegen sich gern entlang von Gehölzstreifen durch die Landschaft, nutzen sie als Versteck oder zur Nahrungssuche. Der Gehölzsaum ist auch ein natürlicher Pufferstreifen, der zum Beispiel Nährstoffe zurückhält. Sie gelangen somit nicht ins Gewässer.
Ein vitaler Gehölzbestand mit großen wie auch jungen Bäumen hat also viele Vorteile und sollte das Idealziel am Gewässer sein – außerorts wie innerorts. Voraussetzung ist, dass die Gehölze an den Standort am Gewässer angepasst sind, denn nur solche Arten können diese Funktionen auch erfüllen. Welche Gehölze standortgerecht sind und weshalb eine Thuja-Hecke nicht ans Gewässer gehört, das erfahren Sie in der folgenden Ausgabe.

(Dieser Text entstand in Zusammenarbeit den Fachberaterinnen und Fachberatern Gewässer des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie und der unteren Wasserbehörde des Landkreises.; Foto: Richter, LfULG)
Warum Nadelbäume nicht ans Gewässer gehören
Wie schon in den vorherigen Ausgaben thematisiert, sind Gehölze sehr wichtig für Gewässer. Doch nur standortgerechte, heimische Bäume und Sträucher können die vielen komplexen Funktionen auch erfüllen. Welche Arten gehören nun zu den standortgerechten Gehölzen und welche nicht?
Vom Erzgebirge bis zum sandigen Tiefland im Norden Sachsens gibt es natürlich unterschiedliche Arten, die an Gewässern typischerweise vorkommen. Doch insgesamt gilt, dass Nadelgehölze natürlicherweise nicht oder nur selten an einem Bach wachsen. Fichten beispielsweise bilden bei Staunässe oder hohem Grundwasserstand flache Wurzelteller aus, die schnell unterspült werden und damit für die Ufersicherung nicht geeignet sind. Viele Nadelgehölze kommen mit der Nässe generell nicht zurecht. Von Thuja (auch Lebensbaum genannt), Fichte oder Kiefer sollte daher am Ufer, aber auch im Gewässerrandstreifen unbedingt abgesehen werden. Die Nadeln verursachen zudem eine Versauerung des Gewässers und stellen dadurch ein ökologisches Problem dar. Tiere wie Bachflohkrebse und Köcherfliegenlarven benötigen Laub als Nahrungsgrundlage. Nadeln dagegen können sie aufgrund der Konsistenz und der Inhaltsstoffe kaum verwerten. Doch auch nicht alle Laubgehölze sind an Gewässerstandorte angepasst. Der beliebte, aber in Deutschland nicht heimische, zudem invasive, Kirschlorbeer beispielsweise ist ebenfalls empfindlich gegenüber Staunässe und damit im Gewässerbereich ungeeignet. Außerdem können auch seine Blätter kaum von den Tieren im und am Bach verwertet werden.
Viel besser geeignet sind heimische Gehölze, die all diese Funktionen erfüllen. Schwarzerle, diverse Baum-Weiden und Gemeine Esche sind typische Bäume, die hervorragend ans Gewässer angepasst sind. Auch Vogelkirsche, Eberesche, Traubenkirsche, Schwarzer Holunder, Strauch-Weiden oder Roter Hartriegel sind geeignete Arten, die nicht so hoch wachsen und mit ihrem ansprechenden Aussehen auch in der Park- oder Gartengestaltung gern genutzt werden. Mit Hasel, Hainbuche, Schlehe, Liguster oder Weißdorn können lebendige, artenreiche Hecken am Gewässer entstehen. Durch die Entscheidung eine standortgerechte Art zu pflanzen und ungeeignete Arten zu ersetzen, können Sie dem Gewässer unmittelbar und nachhaltig sehr helfen! Zudem ist auch im Wasserhaushaltsgesetz (§ 38) verankert, dass es verboten ist, standortgerechte Gehölze zu entfernen und es dürfen auch keine nicht standortgerechten Gehölze gepflanzt werden.
(Dieser Text entstand in Zusammenarbeit den Fachberaterinnen und Fachberatern Gewässer des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie und der unteren Wasserbehörde des Landkreises.; Foto: Landratsamt Mittelsachsen)


