Die Weichen richtig gestellt - Bahnhofsfest beim großen Busjubiläum dabei

Markersdorf-Taura (RH). Strahlender Sonnenschein war durchaus nicht das einzige was zum großen Bahnhofsfest Mitte August im Museumsbahnhof Markersdorf-Taura geboten wurde. Rund fünfeinhalbtausend Besucher aus Taura, Claußnitz und vielen anderen Orten bevölkerten den seit 2002 stillgelegten Bahnhof im Chemnitztal. Als einer von fünf großen Veranstaltungsorten reihte sich das Bahnhofsfest in die Jubiläumsfeiern aus Anlass „100 Jahre erste sächsische Kraftomnibuslinie Mittweida-Burgstädt-Limbach” ein.

Fahrkartenverkauf im alten Empfangsgebäude
Bahnhof

Christian Weinert verkaufte im alten Empfangsgebäude Fahrkarten für die Draisinen: „Viele Gäste fühlen sich zurückversetzt in alte Zeiten, wenn sie unsere Wartehalle besuchen. Wäre es möglich gewesen, hätte ich Fahrkarten bis nach Peking verkaufen können.” berichtet der junge Mann mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Den Witz, dass die Bahnbeamten in Peking bezüglich der Rückfahrkarte bis Wittgensdorf dann die Frage „Wittgensdorf oberer Bahnhof, Mitte oder unterer Bahnhof” stellen, hat er viele Male gehört. Aber auch kürzere Fahrtwünsche wie bis nach Karl-Marx-Stadt konnte der 25-jährige nur bedingt erfüllen. „Wir haben die Genehmigung von Bahn und Eisenbahnbundesamt innerhalb des Museumsbahnhofes, dass heißt zwischen den beiden Einfahrsignalen, mit unseren Draisinen zu fahren” erklärt Robert Köhler, der Schriftführer des Vereines Eisenbahnfreunde Chemnitztal, den rechtlichen Rahmen für die Fahrten. „Mehr Strecke war leider nicht drin. Dafür aber eine Anzahl weiterer Auflagen und Bestimmungen, die man den Gästen nur schwer verständlich machen kann, die aber letztlich alle der Sicherheit dienen. Vom Verbot die Gleise außerhalb des gesicherten Bahnüberganges zu überschreiten bis hin zur eigenen Eisenbahnhaftpflichtversicherung unseres Vereines.”

Handhebeldraisine
Motordraisine

Die meisten Gäste verhielten sich auch vorsichtig und waren trotzdem mehr als begeistert. So wurden alle 1000 Fahrkarten, die die Bahnfans extra drucken ließen, an die Frau und den Mann gebracht. Nach dem Ausverkauf am Sonntag Abend musste dann sogar direkt am Zug kassiert werden. Die Fahrten mit der Motordraisine vom Verein Sächsischer Eisenbahnfreunde aus Schwarzenberg, der Handhebeldraisine von den Langenauer Eisenbahnfreunden und der Fahrraddraisine der Eisenbahnfreunde Chemnitztal waren jedoch nicht die einzigen Publikumsmagneten am Festwochenende.
Riesigen Andrang erlebten auch die Flugmodellschauen an beiden Tagen. Geschickt ließen die Mitglieder des Claußnitzer Modellflugvereines ihre Modelle über dem Museumsbahnhof kreisen. Gebannt verfolgten die Gäste jede einzelne Flugbewegung.

Modellanlage des Modelleisenbahnvereines Markersdorf
Claußnitzer Modellflugverein

Für alle, die es etwas weniger aufregend mochten, waren die Ausstellungshallen reichlich gefüllt. In der Empfangshalle wartete ein großes Wasserbecken mit einer erlesenen Auswahl Zierfische des Tauraer Aquarienvereines auf neugierige Blicke aus der Warteschlange am Schalter. Die Briefmarkenfreunde aus Markersdorf präsentierten eine passende Auswahl ihres großen Sammelgebietes in der Güterabfertigungshalle und von Ihnen waren auch die Sonderpostkarten mit dem extra aufgelegten Poststempel zu haben. Peter Kühn: „Eine emaillierte Postkarte gab es als Sammlerbeleg noch nie und natürlich haben wir dieses außergewöhnliche Jubiläum zum Anlass für einen Sonderstempel genommen. Die Nachfrage war unerwartet groß. Schon Samstag Abend waren die Sonderpostkarten zum Busjubiläum ausverkauft, sodass wir am Sonntag noch andere Postkartenmotive für den Sonderstempel angeboten haben.”
Nebenan drehten doch tatsächlich richtige Züge ihre Runden im Museumsbahnhof Markersdorf-Taura. Freilich auch nur im Maßstab 1:87 auf der Modellanlage des Modelleisenbahnvereines Markersdorf. Aber genauso hat es eben ausgesehen, zu Zeiten in denen die Chemnitztalbahn als Eisenbahn noch wichtig für die Gemeinden und Züge nichts besonderes im Tal waren.
Zweimal an jedem Festtag glaubten sich die Besucher in den wilden Westen versetzt. Dann nämlich zogen die Schützen des Schützenvereines „zur Bärenhöhle” zum Salut mitten auf den Bahnsteig. Auch Ihre Ausstellung im Güterboden war sehenswert. „Interessant ist, dass eher die Frauen den Mut aufbringen sich mal eine Waffe näher erläutern zu lassen. Bei den Herren herrscht eher stummes Betrachten vor” zeigt sich Albrecht Hoppe über die Besucher erstaunt.
In die Zeit des wilden Westens passte auch die Postkutsche, die am Sonntag für Aufsehen sorgte.

Feuerwehrförderverein Taura
Gruppe Musici

Und sowieso gehörten die Damen der Tauraer Gruppe Musici in ihren Kleidern der Jahrhundertwende zu diesem Jubiläum, welches auf den Eröffnungstag der ersten sächsischen Buslinie, den 10. August 1906, zurückgeht. Ein Ausflug in alte Zeiten war am Sonntag aber generell möglich. Auf der gesamten Jubiläumsstrecke von Mittweida bis Limbach fuhren historische Fahrzeuge jeder Couleur - vom Fahrrad mit Hilfsmotor bis zum alten Ikarusbus. Und Mitfahren war bei vielen erlaubt und erwünscht.
Bevor die Kameraden des Feuerwehrvereines aus Diethensdorf zur Nachtwache eintrafen, sah man sichtlich geschafft die Mitglieder des Feuerwehrfördervereines aus Taura an ihren Grills. Schon kurz nach der Mittagszeit herrschte in den großen Kesseln ihrer Gulaschkanone gähnende Leere. „Es war schwierig im Voraus zu planen” erklärt Norbert Grundei vom Verein. „Keiner konnte genau sagen, wie viel Gäste wir erwarten dürfen. Aber hungern musste trotzdem niemand! Und zum nächsten Fest werden wir auch Kaffee und Kuchen anbieten.” nimmt er einen oft geäußerten Wunsch auf. Nicht weniger zu tun hatten die Kameraden des Feuerwehrvereines aus Markersdorf am Getränkestand nebenan.

Postkutsche
Ausstellung im Güterboden

Auch die Bahnhofstombola konnte am Sonntag Ausverkauf melden und der Flohmarkt sowie der Büchertisch über Nachfrage nicht klagen.
Wer neben dem Sammeln vieler Eindrücke und Erlebnisse auf dem Museumsbahnhof Gutes tun wollte, spendete in die Sammelbüchse in der Empfangshalle oder füllte eine Fördermitgliedschaftserklärung für die Eisenbahnfreunde aus. „Natürlich ist das auch nach dem Fest für alle begeisterten Chemnitztaler noch möglich” merkt Steffen Hedrich, seines Zeichens stellvertretender Vereinschef der Eisenbahnfreunde, abschließend an.

Text und Fotos: Eisenbahnfreunde Chemnitztal, Robin Helmert



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Quelle: Gemeinde Taura - Homepage
http://www.gemeinde-taura.de