Taura - 19. Jahrhundert (2)

Tauraer StrumpfwirkerDie Entwicklung zum Industriedorf begann zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Neben dem Leineweberhandwerk entwickelte sich die Strumpfwirkerei. Bis zum Jahre 1840 arbeiteten in Taura 120 Strumpfwirker mit 36 Gesellen und 20 Lehrlingen. Gegen 1860 wurde sodann die Strumpfwirkerei von der Handschuhindustrie zurückgedrängt.

Bei Arthur Beil lesen wir:

"...Ein Jahrhundert hielten sich die Tauraer Meister zur Peniger Innung. Im Jahre 1857 trennten sie sich von ihr, um eine selbständige Körperschaft zu bilden. Die Veranlassung dazu mag die Umgestaltung der Gerichtsbarkeit gegeben haben. Bis zu dem Zeitpunkt war Taura den Amte Penig unterstellt gewesen, jetzt wurde es bei der Aufhebung der Herrschaftsgerichte dem Gerichtsamte Burgstädt überwiesen. Die Trennung von der Peniger Innung geschah ganz friedlich, da letztere der Lösung nichts in den Weg legte ... Die nächste Zeit beschäftigte man sich mit der Einrichtung der neuen Innung, die man ganz nach den hergebrachten Formen aufbaute mit der Gliederung: Meister, Gesellen, Lehrlinge, mit deren Bestätigungen: Meisterrechterwerben, Lossprechen und Aufdingen. Dazu gehörte weiter die Aufstellung der zu erhebenden Gebühren, die man anderwärts für Meisterkinder und fremde Eintretende verschieden abstufte. Wie in Penig legte man auf die Einrichtung der Sterbekasse den größten Wert, um den Hinterbliebenen eine bescheidene Beihilfe zu den Bestattungskosten gewähren zu können. Als äußeres Zeichen des neuen Verbandes wurde eine Fahne beschafft, die bei jedem Auftreten in der Öffentlichkeit, insbesondere bei Beerdigungen, mitgeführt wurde.

Zum weiteren Inventar ließ man eine Innungslade aus Nussbaumholz herstellen, in der man die beiden Handwerkssiegel, die Gesetzbücher und die übrigen Handwerksbücher aufbewahrte. Die Errichtung einer Strumpfwirkerherberge im Orte, wozu man obrigkeitliche Zustimmung einzuholen hatte, lehnte indessen die Kreisdirektion 1857 aus Mangel an Bedürfnis und der Besorgnis ab, dass eine solche die Strumpfwirker zum Wirtshausleben verführen werde ...
Die Vierteljahresversammlungen, Quartale genannt, mussten aus Mangel an eigener Behausung bald in dem, bald in jenem Wirtshause abgehalten werden und verliefen in der hergebrachten Weise, dass vor der offenen Lade nach vorher abgelegtem Meisterstück das Meisterrecht erteilt, dass Lehrlinge nach beendigter Lehrzeit losgesprochen oder neue Zöglinge nach einer Probezeit, die vier Wochen nicht überschreiten durfte, aufgedingt wurden. Jeder Meister hinterlegte an solcher Tagung das Quartalsgeld.

 

Hatte man anfangs nur Meister des Ortes aufgenommen, so fanden gar bald auch solche der Umgebung Zutritt. 1865 erlegten 221 Meister und 14 Meisterwitwen das Quartalsgeld, das für jene je 25, für diese 13 Pfennige betrug ..."

Quelle: Taura und Köthensdorf-R. - Unser Heimatbuch - 1996

   


Quelle: Gemeinde Taura - Homepage
http://www.gemeinde-taura.de