In
Köthensdorf kam neben dem sich
immer stärker ausprägenden
Interesse an einem gewissen Mass an
Bildung noch die Unzufriedenheit mit
den Umständen hinzu, die ein
Schulbesuch in Taura mit sich brachte.
Der Weg war weit und in der schlechten
Jahreszeit schwer begehbar. Der Mangel
an Schuhwerk hinderte viele Kinder
am Schulbesuch. Zur Erntezeit wurden
die Kinder auf den Feldern benötigt.
So drängten zu Beginn des 18.
Jahrhunderts die Dorfbewohner die
Obrigkeit, der Einstellung eines eigenen
Lehrers zuzustimmen. Wir finden in
Köthensdorf 1722 in Peter Schubert
den ersten namentlich genannten Kinderlehrer.
Einen ständigen
Schulraum oder ein Schulgebäude
gab es nicht. Die Bauern stellten
reihum ihr Wohnzimmer für den
Unterricht zur Verfügung. Für
diese Art der Unterweisung trifft
der Begriff Reihenschule zu. Nachfolger
von Schubert war Adam Heinrich Gottlebe,
der von 1733 bis 1749 das Amt des
Kinderlehrers versah. Er hatte ein
eigenes Haus, in dem er seine Schüler
unterrichtete (Gasse 1).
Es zeugte vom fortschrittlichen
Geist, dass bereits 1750 ein eigenes
Schulgebäude geplant wurde. Es
wurde als einfacher Lehmbau an der
Gartenecke des eingegangenen Ottoschen
Gutes erbaut. (An seiner Stelle steht
heute der Altbau der ehemaligen Konsumverkaufsstelle.)
Es hatte eine Schulstube, in der die
Kinder in "2 Häuflein",
so bezeichnete man seit Alters her
die Klassen, von einem Kinderlehrer
unterrichtet werden sollten. Sollten
! Denn sicher aus einer Zwangslage
heraus benötigte man bis 1805
das Haus nicht als Schule, sondern
als Armenhaus. Erst Johann Welker,
der 1803 Daniel Helmut ablöste,
konnte 1805 das geräumte Haus
als Schule nutzen.
Durch die eingeführte
Schulpflicht gab es 1827 bereits einhundert
Köthensdorfer Schüler. Das
alte Haus genügte diesen Anforderungen
nicht mehr. Es wurde 1827 abgerissen
und an anderer Stelle in der alten
Form wieder aufgebaut (Hauptstraße
41).
Das Schulhaus von 1827 wurde, nachdem
das alte Haus abgerissen war, an gleicher
Stelle errichtet. Dieses neue Schulhaus
hatte auch nur ein Klassenzimmer.
Es gab ja nur einen Lehrer, und an
die Notwendigkeit, einmal einen zweiten
einzustellen, dachte niemand. Die
hundert Kinder wurden im zeitlichen
Wechsel unterrichtet.
Das Schulhaus von 1872 sollte die
Raumnot der alten Schule beseitigen.
Es erhielt seinen Platz gegenüber
der alten Schule (ehemals Rathaus),
und man baute wegen der angestiegenen
Schülerzahl zwei Klassenräume.
Im neuen Jahrhundert machte sich vor
allem nach der Eingemeindung von Reitzenhain
wieder Raumnot bemerkbar, die erst
1912 mit einem Neubau beseitigt werden
konnte. Am 2. Dezember wurde die neue
Schule eingeweiht.
1947
erhielt die Schule den Namen "Ernst-Schneller-Oberschule".
Am 1.9.1960 wurde die Oberschule Garnsdorf-Köthensdorf
gegründet. Ein Schulbus beförderte
die Kinder. In den Jahren 1975 bis
1977 erfolgte ein Anbau an die Schule.
Übrigens war dies das erste Bauvorhaben
im Ort, das nicht in Feierabendarbeit
errichtet wurde. Nachdem zu Beginn
der Sommerferien der Umzug von der
Garnsdorfer zur Köthensdorfer
Schule erfolgt war, konnte der Neubau
am 1. September 1977 zur Nutzung übergeben
werden. Nach der Wende wurde die Schule
in Oberschule Garnsdorf-Köthensdorf
umbenannt. Wegen zu geringer Schülerzahlen
wurde am Ende des Schuljahres 1991/92
die Mittelschule aufgelöst. Der
Unterricht erfolgt nunmehr in den
Klassen 1 bis 4 für Köthensdorf
und Taura. Die Schüler ab der
Klasse 5 fahren mit dem Schulbus nach
Taura.
Die Gemeinde ließ
in den Sommerferien 2002 das gesamte
Schulgebäude anlässlich
seines 90. Geburtstages restaurieren.
Das 1912 im Landhausstiel errichtete
Gebäude zählt nun mit Sicherheit
zu den kulturellen Schätzen des
Landkreises Mittweida.
Am 23. August 2002 erhielt die Grundschule
Köthensdorf den Ehrennahmen "Johann
Esche Grundschule" verliehen.
Quellen:
Taura und Köthensdorf-R. - Unser
Heimatbuch - 1996 und
Die Entwicklung des Schulwesens in
Köthensdorf (www.koethensdorf.de)
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