Schreiben der Gemeinde vom 29. April 2004

Grundschule Köthensdorf drohte Schließung
an das

Sächsische Staatsministerium für Kultus
Herrn Dr. Ulrich Reusch,
Ministerialdirigent
Carolaplatz 1 / Westflügel
01097 Dresden

Grundschule Köthensdorf
Anhörung gemäß §24 Abs. 3 Schulgesetz für den Freistaat Sachsen (SchulG)

Sehr geehrter Herr Ministerialdirigent Dr. Reusch,
am 16. April erhielt ich ein Fax und am 23. April 2004 Ihr Schreiben zu o.g. Thematik.
Am 19.04.2004 bekamen alle Gemeinderäte eine Kopie Ihres Schreibens.
Am 20.04.2004 telefonierte ich mit dem LRA Mittweida (Schulverwaltung) Herrn Vieweger.
Am 22.04.2004 erschien von Herrn Vieweger in der "Freien Presse" ein kleiner Artikel "Grundschule Taura auf dem Prüfstand". Seitdem dreht sich das Karussell.

Mit der Schulleiterin der Johann-Esche-Grundschule im OT Köthensdorf der Gemeinde Taura unterhielt ich mich 1 Stunde zum Thema. Am 26.04.2004 trafen die Schülerzahlen 2005 bis 2008 vom Einwohnermeldeamt Burgstädt ein. Aus Zeitgründen gehe ich nur auf den 8. Absatz Ihres Schreibens ein, obwohl es noch viel Interessantes zu sagen gäbe. Jetzt (27.04.2004) sind bei der Schulleiterin Frau Tewes 13 Schülerinnen und Schüler für die erste einzurichtende Klasse angemeldet. Desweiteren liegen noch zwei Anträge auf Integration sprachlich behinderter Schüler vor. In der Klasse 2 sind vier, in der Klasse 3 drei und in der Klasse 4 sind zwei Sprachintegrationsschüler. Hinzu kommt noch ein Ausnahmeantrag eines Chemnitzer Schülers.
Alle dazugehörigen Anträge liegen dem Regionalschulamt vor. Da Herr Reichardt leider erkrankt ist, können diese zurzeit nicht bearbeitet werden. Damit wäre die Zahl 15 erreicht!
Außerdem ist ein Anwendungsfall von § 4a Abs. 3 SchulG gegeben. Das könnte Ihnen auch Herr Vieweger vom Schulamt im LRA Mittweida bestätigen. Trotzdem haben wir beim Regionalschulamt Chemnitz eine Ausnahmegenehmigung für die Bildung einer ersten Klasse beantragt, da wir evtl. im Schuljahr 2004/2005 die geforderte Schülerzahl unterschreiten. Bis heute erhielten wir keine Antwort, bis das Staatsministerium für Kultus mit Fax vom 16. April die Bildung einer ersten Klasse in Frage stellte. Kriterium für das öffentliche Bedürfnis einer Grundschule darf nicht nur die Quantität, sondern vor allem die Qualität sein.
Bereits im Jahre 1993 erhielten wir die Auflage vom Staatsministerium für Kultus, unsere Grundschule aus dem Gebäude der Mittelschule auszugliedern. Dieser Anforderung sind wir schweren Herzens nachgekommen. Der Gemeinderat stimmte der Verlegung in die ehemalige Grund- und Mittelschule Köthensdorf-Garnsdorf zu. Seit 1994 wurden über 1,5 Mio DM in die Modernisierung und Sanierung dieses im Landhausstil 1912 erbauten Gebäudes durch die Gemeinde investiert.
Seit 1999 bis 2002, dem 90. Geburtstag dieser ehrwürdigen alten Dame, wurden die Investitionen nochmals verstärkt.
337.001,44 Euro wurden allein in diesem Zeitraum für Dachdeckung, Außenputz, Fassadenanstrich, neue Holzfenster im Anbau, Neubau einer Feuernottreppe als 2. Fluchtweg, Mauerwerkstrockenlegung, Schlosserarbeiten, Parkettböden, Malerarbeiten, Einbau einer Notstromanlage ausgegeben. Davon waren 176.943,78 Euro Fördermittel durch das Amt für Ländliche Neuordnung und das Regierungspräsidium Chemnitz. Zu diesem Gebäude gehören ein Turnhallenanbau sowie eine große Außenanlage mit Spielplatz, Biotop usw.
Es ist unverantwortbar einer evtl. Schulschließung zuzustimmen!

Unserer Gemeinde Taura wurde bereits im Schuljahr 2002/2003 die Mittelschule aufgekündigt. Wenn Sie sich noch heute die gesamte Inneneinrichtung ansehen, stehen Ihnen die Tränen in den Augen (das hat nichts mit dramatisieren zu tun).
Mit der Modernisierung und Sanierung einer Villa aus den Gründerjahren für die Kindertagesstätte mit einer neuen Kinderkrippe in der 2. Etage sowie dem Umbau einer Textilfirma aus dem späten 19. Jh. in den Schulhort, Jugendklub und Bibliothek, haben wir nicht nur an die Gegenwart, sondern auch an die Zukunft gedacht.
Wir bereuen keinen Pfennig bzw. Cent!
Ohne diese verausgabten Summen wären wir heute eine der wenigen schuldenfreien Gemeinden des Freistaates Sachsen. Das war aber nicht unser Ziel!


Sehr geehrter Herr Ministerialdirigent Dr. Reusch,
ich hoffe, dass ich Ihnen die Gründe aufgezählt habe, die ein öffentliches Bedürfnis für die Einrichtung der Klassenstufe 1 im Schuljahr 2004/2005 an unserer Johann-Esche-Grundschule rechtfertigen.
Mit der einzügigen Grundschule auf dem Lande hat doch der Freistaat bewiesen, dass auch in der Bildungspolitik Vernünftiges im Sinne unserer sächsischen Schuljugend möglich ist.
Im Namen des Gemeinderates und der Einwohnerinnen und Einwohner unserer Gemeinde möchte ich Sie sehr bitten - auch in Anbetracht der bevorstehenden Kommunal- und Landtagswahlen - das öffentliche Bedürfnis für die Einrichtung der Klassenstufe 1 an der Johann-Esche- Grundschule im Schuljahr 2004/2005 zu erteilen.

Mit freundlichen Grüßen
K. Vivus
Bürgermeister


Anlage:

  • Schreiben der Johann-Esche-Grundschule zur Begründung des Ausnahmeantrages auf Bildung einer Klasse 1 trotz Unterschreitung der Mindestschülerzahl
  • "Freie Presse" vom 22.04.2004- "Grundschule Taura auf dem Prüfstand"
  • Einwohnermeldeamt der Stadt Burgstädt: Schülerzahlen 2005 bis 2008
  • Fotos der Johann-Esche-Grundschule


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Quelle: Gemeinde Taura - Homepage
http://www.gemeinde-taura.de