Taura(RH). Hep, Hep,
Hep - schallt es monoton ans Muldenufer
und eine Schlauchbootmannschaft zieht
zügig vorüber. Eine Biegung
flussabwärts sind schon weitere
Boote in Sicht. Lautes, ausgelassenes
Getöse ist vernehmbar und hoch
aufspritzendes Wasser verrät
eine Wasserschlacht. Zwei Boote mit
Nachzüglern genießen indes
das Dahintreiben, das Beobachten der
Landschaft und erfreuen sich an dem
Schauspiel der immer wieder grölend
aufeinanderzu paddelnden Jugendlichen.
Unterwegs mit der Kirchgemeinde.
Frühmorgens schon machten sich
die rund 50 Gemeindemitglieder auf
den Weg nach Grimma an der Mulde.
Mit dem Bus ging es dann flussaufwärts
nach Leißnig, wo fünf große
Schlauchboote auf die Besatzungen
warteten. Das Gepäck wurde verstaut,
die Schuhe gleich von den Füßen
gezogen und Hosenbeine und Hemdsärmel
hochgekrempelt. Mehr als vier Stunden
Muldenschifffahrt lag vor den Wassertouristen
aus Taura. "Auch wenn wir immer
bemüht waren unsere Führungsposition
zu behalten, ließ sich so einiges
entdecken" erzählt Felix
Stengel aus dem Boot der Jungen Gemeinde.
"Da war so ein Einsiedler mit
seinem Tipi am Ufer. Der war ganz
in schwarz, mit schwarzem Cowboyhut
und mit einem breiten Rechen in der
Hand. Der Typ sah aus wie der Sensenmann."
Und Anja Tabbert wirft ein: "Aber
das Pärchen, das wir beim Schäferstündchen
im Feld überrascht haben, war
doch viel besser." Und so hatte
jeder seine Beobachtungen gemacht.
Mehrere Sandbänke
mit flachem Wasser zwang die Paddler
zum Aussteigen. Mit vereinten Kräften
wurde dann das Boot wieder in tieferes
Fahrwasser gezogen. Wer dann nicht
schnell genug wieder an Bord war,
stand allein und von wilden Wassern
umflossen. "Mich wollten sie
einfach stehen lassen" schmunzelt
Michael Adam. "Aber wir haben
uns dann doch erbarmt und sind wieder
flussaufwärts zu ihm gepaddelt."
entgegnet Sarah Alberti. Und Nico
Feige wirft ein: "Dafür
habt ihr mich dann baden geschickt!"
Am Zusammenfluss der
Zwickauer und Freiberger Mulde nahmen
die Boote noch einmal richtig Fahrt
auf, um nach etwa zwei Drittel des
Weges Höfgen zu erreichen. Hier
wurde der Anker geworfen und jeder
bekam Landgang. Für einige war
es schon der zweite Besuch in diesem
Ort. Nach der Jahrhundertflut 2002
wurde hier Fluthilfe geleistet. Das
Rüstzeitheim unterhalb der Kirche
war damals Einsatz- und heute Reiseziel.
Im Garten hatten fleißige
Helfer aus Taura ein festliches Menü
gezaubert. Von leckeren Wienern über
belegte Brötchen bis hin zu Kuchen
und Kaffee gab es alles, was die knurrenden
Mägen begehrten.
Natürlich wurde die nahe Kirche
für eine Andacht besucht. Pfarrer
Thomas Alberti sprach über die
Wellen und Wogen in einem jeden Leben
und dass das Vertrauen auf Gott helfen
kann, so manche Klippe zu umschiffen.
Er erinnerte auch an die Flutkatastrophe
im Jahr 2002 und den Wiederaufbau
der letzten Jahre. Das Lied "Stille
im Sturm, Halt in der Flut" ließ
die Gemeinde in dem kleinen Gotteshaus
erschallen und auch ein gemeinsames
Gebet wurde gesprochen. Den Abschluss
bildete ein Gruppenfoto vor der Kirche.
Das "Fährmann
hol über!" am Muldenufer
machte neugierig auf das Fährhaus.
Eine Querseilfähre ermöglicht
hier Wanderern das übersetzen
trockenen Fußes. Eine große
Steintafel erinnert an die Hochwasserstände
mehrerer Jahrhunderte. Nur das Hochwasser
2002 ist nicht darauf vermerkt. Eine
golden schimmernde Tafel neben einem
Fenster im ersten Stock (!) zeigt
den Pegelstand der unfassbaren Wassermassen
der Jahrundertflut.
Das Mühlenmuseum
im Ort war der letzte Anlaufpunkt,
bevor wieder die Boote bestiegen wurden.
Auf der Mulde wurde weiter fleißig
gepaddelt und ganze Besatzungen nutzten
die Möglichkeit für einen
erfrischenden Sprung ins kühle
Wasser. "Die letzten Meter durfte
ich das Steuer führen!"
ist Kai Nöbel stolz. "Auch
waren fast alle aus unserem Boot im
Fluss baden." Nach knapp einer
Stunde war dann wieder die Hängebrücke
in Grimma erreicht. Den Tag Revue
passieren lassend zeigte sich Siegfried
Landgraf dankbar für das schöne
Wetter und lobte auch das harmonische
Zusammensein der Bootsbesatzungen
aus jungen und älteren Menschen.
Dorothea Kerber sprach, sicher im
Namen aller, ein Danke für die
gute Organisation des gemeinsamen
Tages aus. Ihr bleiben auch die guten
Gespräche in Erinnerung. Pfarrer
Thomas Alberti: "Ich freue mich
über die rege Teilnahme am heutigen
Tag und den Teamgeist und ich denke
es zeigt, dass Kirche modern ist."
Text
und Fotos: Robin Helmert
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